Eine Hurricane-Biographie

Einzelausstellung von
Peter Valentiner

Galerie Westernhagen, Dezember 1998-Februar 1999

siehe auch: lokale Presse
  

 
 

Seit dem Beginn meiner Galerie im November 1985 begleite ich das künstlerische Schaffen von Peter Valentiner. Ich habe schon seine frühen Arbeiten auf Leinwand aus dem Jahre 1975 gezeigt, eine Malerei, über die sich ein filigranes Tarnnetz auszubreiten scheint.

Diese Arbeiten resultierten aus seinen bekanntgewordenen Tarnaktionen, mit denen er 1971 Preisträger der 7. Biennale in Paris war, ein Wettbewerb, an dem damals so namhafte Künstler wie Blinky Palermo, Ulrich Rückriem, Imi Knöbel, Ansgar Nierhoff und Klaus Rinke teilgenommen haben.

Mit riesigen militärischen Tarnnetzen verbarg er bekannte Gebäude, wie z.B. den Grand Palais, bekannte Parks, Brücken und Straßen in dem Städtchen Cérêt in den Pyrenäen. Er versteckte und machte gleichzeitig neugierig auf das Dahinterliegende.

Danach entwickelte er eine Maltechnik, um das Subversive der Tarnung auf der Leinwand wiederzugeben. Mehrschichtige Bilder entstanden, das Kosmische in seinen Bildern hielt nun Einzug: Zeit, also Bewegung im Raum, wurden wichtig in ihnen.

Aus den kleinen Formen, die explosionsartig einen kosmischen Raum zu sprengen scheinen, entwickelte er dann größere, ruhigere Formen, die einem ewigen Gesetz gehorchend, durch Zeit und Räume zu schweben scheinen.

Noch arbeitete er mit dem kontrollierten Zufall in seiner Malerei, aber immer wichtiger wurden dann seine Formensysteme. Wir kennen seine wunderbaren Bänderbilder.

In der letzten Ausstellung zeigte ich seine großformatigen Ockersand-Bilder, die meisten von ihnen mit einem Bild im Bild Motiv. Dieser Raum hier war in ein samtenes Ultramarin-Blau getaucht aus dem in sandfarbenen Ockertönen sein Tammotiv hervorleuchtete.....

In diesen Arbeiten war nun nichts mehr dem Zufall überlassen, die Farbwerte waren vorher festgelegt.

Peter Valentiner verließ nie den Nährboden der hochentwickelten französischen Malkultur. Einer seiner großen Vorbilder war Matisse, dessen ästhetische Formschönheit er nun in seinen Hurrikane - Bildern auf die Spitze treibt. Er beschenkt uns mit seiner Hurrikane-Biographie. Die Hurrikans sind eine immer wiederkehrende Erscheinung in der Natur und wie aktuell jetzt gerade.

Er hat für sie eine besondere Sprache der Formen gefunden: streng und klar in den extremen Farben schwarz und weiß gemalt, tauchen wir ein in den Strudel der Bewegung.

Diese zentrischen Bewegungen nach dem Prinzip der logarithmischen Spirale finden wir überall in der Natur wieder: die Hurrikans, trotz ihrer Bedrohlichkeit von wunderbarer Schönheit, wie wir sie auf vielen Abbildungen bestaunen können. Muscheln tragen dieses Prinzip in sich, ebenso Kreise, die sich um einen Stein bilden, den wir in das Wasser geworfen haben.

Peter Valentiner läßt uns an den vielfältigen Spielen der Formen teilhaben. Unser Auge läßt die schwarzen Formen nach vorne treten oder umgekehrt, die weißen Formen bewegen sich vor einem schwarzen Hintergrund. Dies ist das Reversible in seiner Kunst, das wir schon in seinen sehr frühen Bildern finden können.

Im Depot steht ein Bild im Rahmen, es ist eine Zeichnung mit farbigen Ölkreiden aus dem Jahre 1979. Ein kleines Collageelement können wir dort entdecken mit dem Spruch: "La médiocrité tue", übersetzt: die Mittelmäßigkeit tötet! Das könnte auch ein Leitmotiv im Leben Peter Valentiners sein, der dadurch immer wieder zu neuen Möglichkeiten in seiner Kunst findet.

Gisela von Westernhagen, 5. Dezember 1998